Logbuch einer Seefahrerin

Gegen den Wind

Zwischen Männern, Maschinen und Meer.

Auf Kollisionskurs mit einer jahrhundertealten Männerdomäne:
Ein autobiografischer Bericht über Mut, Isolation und den Willen, sich nicht brechen zu lassen.

Ein großes Containerschiff fährt bei stürmischem Wetter auf den Betrachter zu.

Biographie

Gegen den Wind

Zwischen Männern, Maschinen und Meer.

In Vorbereitung

Du möchtest informiert werden, sobald das Buch erscheint?

Über Das Buch

„Frauen an Bord bringen Unglück!“

Die Seefahrt ist fast so alt wie die Menschheit – und nach wie vor eine Welt, in der Frauen als Eindringlinge gelten. Sabine Schröder wollte trotzdem an Bord. Was folgte, war ein Weg voller Widerstände: Reedereien, die sie allein wegen ihres Geschlechts ablehnten. Betriebsräte, die gegen Frauen an Bord stimmten. Und später, auf See, ein Alltag, in dem Vorurteile, Gerüchte und Übergriffe so selbstverständlich zum Inventar gehörten wie Seekarten und Rettungswesten.

In Gegen den Wind begleiten wir die Autorin von ihren ersten Schritten auf wackeligen Seebeinen bis zu ihren Reisen als Erste Offizierin auf Großcontainerschiffen. Durch den Panamakanal und den Suezkanal, in die Häfen Südamerikas und Asiens, über den Pazifik und den Atlantik. Wir sind dabei, wenn sie mitten in der Nacht bei Windstärke 10 allein auf der Back einen festgefressenen Lüfter zudrehen muss, während die Brecher über das Vorschiff donnern. Und wir erfahren, warum sie das tut: nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Verzweiflung – getrieben von einem Mann, dessen Feindseligkeit sie systematisch zermürbt.

"

Der Wind streicht über die Bäume,
wie das Leben über die Menschen.
Doch bei beiden die Frage:
Sind sie stark genug?

Sabine Schröder · Wind

Es ist auch ein Buch über die Faszination der See. Über den geheimnisvollen grünen Blitz am Horizont, Meteoritenschauer auf dem Pazifik, Äquatortaufen und Weihnachten fern der Heimat. Über Kulturen, die aufeinanderprallen, und über die eigenartige Gemeinschaft, die entsteht, wenn Menschen monatelang auf engem Raum zusammenleben – dreiunddreißig Meter über der Wasseroberfläche, mit sechzehn Millimetern Stahl zwischen sich und dem Ozean.

Mit trockenem Humor, schonungsloser Ehrlichkeit und einer Sprache, die nach Salzwasser und Maschinenöl riecht, legt Sabine Schröder eine Autobiographie vor, die weit über die Seefahrt hinausreicht. Denn die Frage, wie Frauen in Männerdomänen behandelt werden, stellt sich nicht nur auf hoher See.

"

Gischt im Wind,
Schaum auf den Wellen.
Es brodelt und tost,
sichtbar für alle.

Beim Menschen hingegen,
tief innen verborgen,
Kummer und Sorgen.
Ist das hier mein Leben?

Ich bin in der Falle.
Es brodelt und tost.
Schaum auf den Wellen,
Gischt im Wind.

Sabine Schröder · Stiller Ozean

Dieses Buch erzählt davon, wie es sich anfühlt, als einzige Frau an Bord zu leben und zu arbeiten. Es erzählt von Demütigungen, die unter normalen Umständen kaum auszuhalten wären – und die auf See, fernab von Familie und Freunden, ohne Rückzugsraum und ohne die Möglichkeit, zu entkommen, an die Substanz gehen. Von einem missglückten Vergewaltigungsversuch, von systematischem Mobbing und von dem Moment, in dem das Maß voll war.

Aber Gegen den Wind ist kein Buch über eine Frau, die aufgibt. Es ist ein Buch über eine Frau, die sich wehrt. Die den Humor nicht verliert, wenn der Schaum auf dem Nordatlantik aussieht wie ein Cappuccino mit Sahnehaube. Die auf einem 300-Meter-Containerschiff im Hafen von Rotterdam den 11. September erlebt und trotzdem funktioniert – weil es keine andere Wahl gibt. Die am Ende den Kurs ändert, nicht weil sie gescheitert ist, sondern weil sie den Mut hat, etwas Neues zu beginnen.

Leseprobe
Abschnitt 8 · Ausgeliefert

Der Sturm

An Schlaf war nicht mehr zu denken. Am Alarmtableau an der Wand blinkten die roten LED's hektisch um die Wette. Der Sturm, der um die Aufbauten tobte, übertönte das sanfte beständige Rauschen der Aircondition. Die Wandverkleidung im Schlafraum klapperte mit der Tür zum Wohnbereich im Takt, obwohl ich schon meterweise Toilettenpapier zwischen die Paneele gequetscht hatte.

Das Schiff arbeitete stark im achterlichen Seegang. Widerspenstig schüttelte es sich, bäumte sich schwerfällig auf gegen die Naturgewalten, die den Nordatlantik in dieser Nacht aufwühlten. Zuerst ganz langsam, dann immer schneller werdend, kippte die London Express nach Backbord. Ich rutschte auf dem glatten Laken bis an die Wand, genoss den kurzen Moment, der mir eine halbwegs entspannte Position ermöglichte.

Fast schien es, als hätte sie aufgegeben, als wolle der dreihundert Meter lange Stahlkoloss vom Unwetter geschlagen erschöpft auf der Seite liegen bleiben. Doch dann konnte ich das Zittern der Schiffsverbände spüren und die London begann, sich millimeterweise wieder aufzurichten. Die Bewegung gewann an Kraft und mit zunehmender Geschwindigkeit rauschten wir hinüber zur Steuerbordseite. Mit dem Schwung glitt ich vorsichtig aus der Koje auf den Teppich und krabbelte auf allen vieren zum Kleiderschrank. Der Lichtstreifen, der unter der Tür zur Nasszelle hindurchschien, wies mir den Weg und ließ das grün fluoreszierende Piktogramm einer Rettungsweste auf der untersten Schublade leuchten.

Zwei Rollperioden später hatte ich die Weste unter eine Seite meiner Matratze gestopft, die dadurch zusammen mit der Wand ein unregelmäßiges V bildete. Ich wartete das nächste Überholen nach Backbord ab und kämpfte mich über diesen künstlichen Matratzenberg in die schützende Höhlung unter meine Decke. Eingeklemmt zwischen Wand und Matratze lag man zwar nicht sehr bequem, aber trotz der heftigen Rollbewegungen des Schiffes einigermaßen fixiert. Dankbar für diesen Tipp, den ich vor Jahren von einem alten Seebären bekommen hatte, schloss ich die Augen und entspannte mich ein wenig. Vielleicht würde ich vor Beginn meiner Wache um vier Uhr morgens doch noch eine Mütze voll Schlaf nehmen können.

Als das Schiff bockte und sich schüttelte wie ein störrischer Rodeobulle, war ich sofort wieder hellwach. Einen Atemzug lang war es totenstill, dann schallte das ohrenbetäubende Signal einer Alarmsirene durch die Aufbauten.

»Blackout« oder »totes Schiff«, wie wir Seeleute es nennen. Die Stromversorgung war, aus welchem Grund auch immer, zusammengebrochen und sämtliche Aggregate an Bord inklusive der Hauptmaschine gaben mit einem Schlag ihren Geist auf.

Impressionen

Seeluft schnuppern

Auslaufen Hamburg
Ansteuerung Southampton
Regenbogen auf See
Meine Reise in drei Akten

Ein Blick unter Deck

Leinen los
Vorspiel · Ein Ausbildungsplatz muss her · Südamerika, ich komme!
Eine Grillparty am Strand einer dänischen Insel, Lagerfeuer, Würstchen und ein Abend, den niemand beenden möchte. Doch auf dem Rückweg zur Saint Antoine beschließt der Außenborder plötzlich, dass für heute Feierabend ist. Mitten in der Nacht treiben wir auf der Ostsee – und plötzlich soll ausgerechnet ich, ohne jede Ahnung von Außenbordern, das Problem lösen.
Manchmal reicht ein winziges Ersatzteil, um ein Boot wieder flott zu machen. Und um zu merken, dass man sehr viel mehr kann, als man selbst geglaubt hat.
Überfahrt
Weihnachten auf See · Freiwild an Bord · Die ersten Reisen als Offizier
Weihnachten mitten in der Karibik – für viele eine Traumvorstellung. Für mich, Azubine im Maschinenraum, beginnt der Heiligabend mit einem Wischlappen und 40 Grad Hitze. Zwei geschmückte Tannenbäume haben wir trotzdem an Bord, dazu ein festliches Buffet und Freibier vom Alten.
Doch irgendwo zwischen Maschinenlärm, karibischen Wellen und dreiundzwanzig Menschen fern von zu Hause fühlt sich dieses Weihnachten seltsam unwirklich an.
Man merkt schnell: Festessen und Lichterketten können vieles ersetzen – nur nicht die Familie.
Kursänderung
Zweikampf auf der Brücke · Ausgeliefert · Kursänderung
Die Malakkastraße liegt voraus, ein lauer Nachtwind trägt den Duft von Kardamom und Pfeffer über das Meer.
Eigentlich eine dieser seltenen, friedlichen Wachen – bis das Telefon klingelt. Ein betrunkener Matrose …
Kurz darauf steht er tatsächlich dort: zwischen Autopilot, Maschinentelegraf und den Alarmknöpfen, die das ganze Schiff aus dem Schlaf reißen würden. Die Situation eskaliert schneller, als mir lieb ist.
Plötzlich geht es um sehr viel mehr als nur um die Schiffsführung in einer tropischen Sommernacht.